Was ist Indie?
Indie-Label vs. Major-Label ist ein beliebtes Gegensatzpaar in der Musikberichterstattung. Aber was soll das eigentlich bedeuten?
Independent Rock war einer der größten musikalischen Trends der letzten Jahre, doch was soll man darunter eigentlich noch verstehen? Ursprünglich referiert das Wort „Independent“ (kurz „Indie“) auf die Unabhängigkeit von großen Plattenfirmen, doch hat sich die Bedeutung schon vor längerer Zeit gewandelt, oder sagen wir lieber: aufgespalten. Zwar ist der semantische Wandel in mancherlei Hinsicht nicht so eklatant wie beim Begriff „Alternative“ in den neunziger Jahren, aber doch nicht von der Hand zu weisen.
„Indie“ vs. „Alternative“
Anfang der neunziger Jahre erfuhr die Bezeichnung „Alternative“ weitere Verbreitung, vor allem mit den Verkaufserfolgen von Nirvana und anderen Zeitgenossen, die einem Independent-Umfeld entstammten. Dies hörte man ihnen zwar noch immer deutlich an, aber viele hatten zu einer der größten Plattenfirmen, den sogenannten Major-Labels, gewechselt. Diesen geht zwar jeglicher Idealismus ab, da solche Firmen einzig und allein den Gesetzen des Marktes gehorchen und sich aber aufgrund dieser Gesetze neue Märkte zu erschließen gezwungen sahen, begannen sie, sich die Bereiche vor allem des Gitarrenpops/-rocks, die kreative Kräfte durch die Unabhängigkeit von den Produktionsvorgaben der Majors entwickeln konnten, so weit wie möglich einzuverleiben. Alternativ hieß also fürderhin nicht mehr automatisch unabhängig, und es wurde auch immer mehr eine Frage der Einstellung, inwieweit „alternativ“ überhaupt noch eine qualitative Kategorie war oder nur noch einen Marketingsektor bezeichnete. Denn zwar klang die „alternative“ Musik noch immer anders als der Geschmack des Durchschnittsbürgers, doch kann Musik in der Nachfolge von Nirvanas „Nevermind“, das Michael Jackson von der Spitze der Hitparade verdrängte und wöchentlich 300000 Einheiten verkaufte, noch als Alternative zum Massengeschmack gelten, wenn die Massen sie kaufen?
Eines ist doch sicher: „Alternative“ bezeichnete, so inadäquat man das finden mag, einen Sound, während „Independent“ zunächst noch immer für DIY-Ethik stand. Doch auch dies sollte sich ändern. Manche der berühmtesten Indie-Bands sind auf Majors und bewahren sich gerade dadurch ihre künstlerische Unabhängigkeit, wie zum Beispiel Sonic Youth, die 1990 bei Geffen unterschrieben – sind aber mittlerweile beim Indie Matador Records. Die klassisch nach Indie klingenden und deshalb auch in aller Regel so eingeordneten Yeah Yeah Yeahs veröffentlichen hingegen auf dem Universal-Sub-Label Interscope – und somit bei einem Major. Für Bands mit Indie-Sound und Major-Plattenvertrag oder auch mainstreamtaugliche klangliche Indie-Wiedergänger hat sich auch die Vokabel „Maindie“ etabliert.