Toulousepop

Was ist Indie-Pop und woher stammt die Musikrichtung?

Du kannst deine Liebe nicht ewig verstecken – Die Postcard-Story (I)

1980 gründete ein junger Schotte aus Glasgow das Plattenlabel Postcard Records. Es sollte die Geschichte des Indie-Pop prägen wie kaum ein anderes – allerdings ohne großen finanziellen Erfolg. Wie sollte es auch anders sein…

„The Sound Of Young Scotland“ war das Motto, das Alan Horne auf seine Platten drucken ließ – in liebevoller Anlehnung an Motown, natürlich. Und da war etwas dran. Die Acts auf Postcard trauten sich, nicht nur anders auszusehen, sondern auch anders zu klingen – nicht nur als der Mainstream, sondern auch als die zeitgenössischen künstlerischen Subkulturen, die, wie zum Beispiel Punk Rock, in den immer gleichen Posen verharrten. Das Wiederkäuen der spießigen oder einfach patriarchalischen Denk- und Erkenntnismuster war so gar nicht die Tasse Tee von Orange Juice, dem Zugpferd des Labels.

Nüchterne Avantgarde

Ihrer extravaganten Kleidung wegen mussten sie sich, man kann es sich fast schon denken, nicht nur von Skins, sondern auch von Punks und Durchschnittsbürgern als „poofs“ („Schwuchteln“) beschimpfen lassen. Natürlich haben sie es auch drauf angelegt, wie es sich für die popmusikalische Avantgarde schon immer gehört hat – und blieben dabei auch größtenteils unverstanden. Die Band um Edwyn Collins und James Kirk wandte sich von den langweilig gewordenen Rock-Klischees ab und traten wortgewandt und nüchtern auf – der Legende nach leitet sich der Bandname von dem Getränk ab, das die Mitglieder bei den Proben zu trinken pflegten. Man trank keinen Alkohol, zumindest damals, in den frühen Achtzigern nicht; allenfalls Aufputschmittel waren in Ordnung. Man könnte sagen, die Postcard-Bands hätten der Popmusik das Bewusstsein zurückgegeben, was sich in einem bis dato ungehörten Stil, Texte zu schreiben, niederschlug – schüchterne Zurückhaltung wurde, das war neu, zelebriert statt verlacht. Zelebriert allerdings nicht als Selbstmitleid, sondern immer mit Distanz und Wortwitz.

Fr, 2. Juli 2010 » Labels

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